Bürgermeister Josef Knaben stellte 1913 an den Regierungspräsidenten in Düsseldorf einen Antrag zur Führung eines neuen Stadtsiegels. Knaben legte dem Antrag zwei Entwürfe bei, die vom Central Gewerbe-Verein in Düsseldorf gestaltet wurden, aber sie wurden nicht genehmigt.

Wappen der Stadt Wevelinghoven

Die Geschichte der Wappen als Zeichen für eine Person oder eine Personengruppe begann zur Zeit der Kreuzzüge in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Wort „Wappen" ist aus dem Mittelhochdeutschen abgeleitet und in seiner Herkunft mit dem Begriff „Waffen" identisch. Der Bedeutungswandel vollzog sich ebenfalls im 12. Jahrhundert. Damals wurden „wäpen" zu Abzeichen und bevorzugt auf Schild und Helm angebracht. So avancierten sie zu Hauptbestandteilen der Wappen-Gestaltung. Die Geschichte des Wevelinghovener Stadtwappens, von dem hier die Rede ist, begann im frühen 19. Jahrhundert. Stadtarchivar Wolfgang Brandt hat recherchiert, dass spätestens seit der offiziellen Stadtrechtsverleihung im Jahre 1856 das Wappen der Herren von Wevelinghoven, der einstigen Grund- und Gerichtsherren der Herrschaft Wevelinghoven im Erzstift Köln, offiziell als Stadtwappen und -siegel im Gebrauch war. Dieses Hoheitszeichen wurde bis 1938 benutzt.

Stadtwappenentwurf aus dem Jahr 1914, der nicht realisiert wurde. Der Beginn des 1. Weltkrieges im August dürfte der Grund gewesen sein.

Doch die Bemühungen um eine Veränderung begannen bereits 1902. Damals wandte sich Bürgermeister Hermann Josef Schmitz an das Königliche Staatsarchiv in Düsseldorf. Er war der Meinung, dass das in Briefköpfen und auf Siegelmarken verwendete Wappen der Herren von Wevelinghoven durch „das richtige" ersetzt werden sollte. Das Königliche Heroldsamt zu Berlin aber ließ wissen, dass der vorgelegte Entwurf „den bei Verleihung neuer Städtewappen üblichen Gebräuchen beziehungsweise Bestimmungen nicht entspricht."
ehn Jahre später, nachdem die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen hatte, zugunsten eines Stadtsiegels auf das alte Wappen zu verzichten, startete Bürgermeister Josef Knaben einen erneuten Versuch. Er stellte beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf den Antrag, die Genehmigung zur Führung eines Stadtsiegels zu erteilen. Doch die beiden eingereichten Entwürfe wurden kritisiert. Der Bürgermeister ließ sich davon aber nicht entmutigen, gab den Entwurf neuer Vorlagen in Auftrag und leitete auch diese an das Königliche Heroldsamt weiter.

Der Wappenentwurf aus dem Jahr 1937 des Berliner Heraldikers Gustav Adolf Cloß konnte die Wevelinghovener nicht überzeugen.

Als wiederum Änderungen verlangt wurden, brachen die Bemühungen der Wevelinghovener Stadtverwaltung zur Einführung eines neuen Stadtwappens ab. Das war im Sommer 1914, kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Angesichts dieser Entwicklung wurden die Unterlagen in den Akten der Verwaltung abgelegt.
Erst als vom Gauamt für Kommunalpolitik der NSDAP eine Anfrage bezüglich Entstehung und Beschreibung des Stadtwappens eintraf, nahm sich Bürgermeister Dr. Karl-August Widmann wieder der Sache an. Er wandte sich an Gustav Adolf Cloß, einen im deutschen Kaiserreich und während der Weimarer Republik geschätzten Berliner Maler und Heraldiker. Dr. Widmann aber überzeugte dessen Entwurf nicht. Er schrieb an das Preußische Staatsarchiv in Düsseldorf und bat dort um Mithilfe bei der Neugestaltung des Wevelinghovener Stadtwappens. Mit dem Ergebnis der Überprüfung des alten Stadtwappens kam die Empfehlung, sich mit dem Düsseldorfer Heraldiker Wolfgang Pagenstecher in Verbindung zu setzen.

Entwurf des Düsseldorfer Heraldikers Wolfgang Page welcher als „neues" Wevelinghovener Stadtwappen 1938 genehmigt wurde.

Als wiederum Änderungen verlangt wurden, brachen die Bemühungen der Wevelinghovener Stadtverwaltung zur Einführung eines neuen Stadtwappens ab. Das war im Sommer 1914, kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Angesichts dieser Entwicklung wurden die Unterlagen in den Akten der Verwaltung abgelegt.
Erst als vom Gauamt für Kommunalpolitik der NSDAP eine Anfrage bezüglich Entstehung und Beschreibung des Stadtwappens eintraf, nahm sich Bürgermeister Dr. Karl-August Widmann wieder der Sache an. Er wandte sich an Gustav Adolf Cloß, einen im deutschen Kaiserreich und während der Weimarer Republik geschätzten Berliner Maler und Heraldiker. Dr. Widmann aber überzeugte dessen Entwurf nicht. Er schrieb an das Preußische Staatsarchiv in Düsseldorf und bat dort um Mithilfe bei der Neugestaltung des Wevelinghovener Stadtwappens. Mit dem Ergebnis der Überprüfung des alten Stadtwappens kam die Empfehlung, sich mit dem Düsseldorfer Heraldiker Wolfgang Pagenstecher in Verbindung zu setzen. Hier beginnt die Geschichte des Stadtwappens in seiner heutigen Form. Denn die Nachricht des Staatsarchivs war sozusagen das Tüpfelchen auf dem „i", den über drei Jahrzehnte andauernden Vorgang zum Abschluss zu bringen. Im April 1938 nahm der Bürgermeister Kontakt zu Wolfgang Pagenstecher auf und schon Ende des Monats legte dieser die aus seinen Nachforschungen entstandenen Vorschläge dar. Er vertrat die Meinung, die Siegel in nebenstehender Form zu vereinigen: „Dies gewährleistet größtmögliche Originalität – Originalität nicht um ihrer selbst willen, sondern der Sache willen."

Das Wevelinghovener Stadtwappen, so wie es heute im Rathaus im Gebrauch ist, hängt im ehemaligen Sitzungssaal über dem Kamin.


An derartigen Äußerungen wurde deutlich, mit welcher Professionalität Pagenstecher seine Arbeit ausführte. Der 1880 in Wuppertal Geborene hatte an der Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Ernst und Moritz Roeber, Peter Janssen und Wilhelm Spatz studiert. Nach der Rückkehr aus französischer Kriegsgefangenschaft begann er in Düsseldorf, Wappen nach Auftrag zu erstellen. Pagenstecher entwarf für fast alle rheinischen Gemeinden Wappen. Dabei arbeitete er eng mit dem Staatsarchiv Düsseldorf und dem Bergischen Geschichtsverein zusammen.Obwohl Wolfgang Pagenstecher als „Altmeister der rheinisch-westfälischen Heraldik" galt, sah er sich selbst zuerst als Maler insbesondere von Landschaften, Tieren und Portraits. Trotzdem wird sein Wirken in erster Linie durch die Wappenkunde weitergetragen. Denn auch das Landeswappen von Nordrhein-Westfalen, die Stadtwappen von Krefeld, Wuppertal, Ratingen, Kerpen oder das Wappen des Kreises Aachen stammen von ihm. Er beschäftigte sich auch mit der Siegelkunde und sammelte 12.500 Exemplare, die nach seinem Tode 1953 vom Stadtarchiv Duisburg angekauft wurden.

Das Wevelinghovener Stadtwappen trägt also die Handschrift eines wirklichen Könners. Er selbst schätzte seine Arbeit so ein: Als er vom Amtsdirektor des Amtes Angerland einen mit „Herrn Professor Wolfgang Pagenstecher" adressierten Brief erhielt, antwortete er: „Professor bin ich nicht, wohl aber DER Heraldiker, welcher von dem Herrn Innenminister wiederholt für Nordrhein-Westfalen in den Mitteilungsblättern empfohlen wurde."

Derart professionell angefasst, konnte die Angelegenheit Stadtwappen•Wevelinghoven schnell abgewickelt werden. Schon am 28. Juli 1938 traf die vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz ausgestellte und unterzeichnete Verleihungsurkunde ein. Das Wappen, in Silber ein goldener Stechhelm mit einem golden bewehrten, schwarzen Schwanenhals als Helmzier, in den Oberecken und unter der Halsbiegung je eine rote Rosette mit goldenem Butzen „ist bemerkenswert", so Wolfgang Brandt, weil „ein Oberlappen als Wappen, ein einmaliges Beispiel unter den Rheinischen Stadtwappen" als Grundlage gewählt wurde.

Bis zur Neugliederung 1975 diente das Stadtwappen und -siegel der Wevelinghovener Stadtverwaltung als Hoheitszeichen ihrer Gemeinde. Der Bevölkerung sind diese geschichtlichen Belege erhalten geblieben. Denn über dem Eingangsportal des Rathauses ist das alte Wappen kunstvoll eingemeißelt. Und im noch heute erhaltenen ehemaligen Ratssaal im Erdgeschoss ziert es zudem als farbige Glasmalerei eines der Fenster. Am Kamin schließlich ist neben dem alten auch das neue, in Gips gegossene farbige Wappen zu sehen.
Wolfgang Pagenstecher überraschte Bürgermeister Dr. Widmann mit einer freundschaftlichen Geste. Er ließ seine Originalmalerei unter Glas rahmen und übergab sie ihm. „Trotz intensiver Bemühungen konnte ich über den Verbleib von Pagenstechers Originalmalerei nichts erfahren", bedauert Stadtarchivar Wolfgang Brandt.