Der Verlag Zwickardt in Wevelinghoven verlegte 1909 die ersten Postkarten vom neuen Rathaus.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wies die StadtWevelinghoven eine „schlanke" Verwaltung auf.
Zur Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Hermann-Josef Schmitz stand nur ein kleines Team städtischer Beamter zur Verfügung. Deshalb reichten die Räumlichkeiten im Haus der heutigen Adler-Apotheke an der Oberstraße 8 trotz eines großen Arbeitsaufkommens als Diensträume eigentlich aus.
Aber im Hinblick auf das schon vor einigen Jahren erbaute Rathaus der Stadt Grevenbroich und das stetige Anwachsen der Verwaltung verstärkte sich in Wevelinghoven die Meinung, dass es nun an der Zeit wäre, die „Heimatlosigkeit" des Bürgermeisters und der Ratspolitiker mit dem Bau eines eigenen Verwaltungsgebäudes endgültig zu beenden. Diesen Stimmen gab Bürgermeister Schmitz schließlich nach und erteilte dem Aachener Architekten Ludwig Krieger denAuftrag, einen Entwurf zu erstellen. Dieser kam bei seiner Planung den Forderungen nach, ein zweigeschossiges Gebäude im Jugendstil zu planen. So stand der Umsetzung nichts im Wege.
Bürgermeister Joseph Knaben, der im Oktober 1907 in sein Amt eingeführt wurde, gab nach der sichergestellten Finanzierung und einer Ausschreibung dem Wevelinghovener Unternehmen Johann Floeren den Zuschlag für die Erstellung des Rohbaus. Bereits am 8. Mai 1908 erfolgte die Grundsteinlegung. Dort, wo bisher der Marktplatz ausgewiesenwar, fanden sich an der geschmückten Baustelle an der Poststraße neben Robert Brüning, Landrat des Kreises Grevenbroich, unter anderem Mitglieder der städtischen Vertretung,
der Beamtenschaft, Geistlichkeit, der Lehrerschaft sowie zahlreiche Bürger ein.
Sie waren Zeuge, als in einem feierlichen Akt der Grundstein für das Rathaus gelegt wurde. Als weiteres Zeugnis gilt der Text einer Urkunde mit dem Titel „Rathausneubau in Wevelinghoven". Sie wurde vom Bürgermeister Knaben und Landrat Robert Brüning unterzeichnet und in den Grundstein gelegt. Wie wir heute wissen, erfüllten sich die darin geäußerten Wünsche, dass der Neubau ohne Unfall gelänge und das Rathaus als ein Wahrzeichen der Stadt bis in ferne Zeiten hineinragen möge – „stark, fest und dem Sturme trotzend".
Die Bauzeit verlief nicht nur unfallfrei, sie wurde auch sehr kurz gehalten. Daran hatten die größtenteils einheimischen Handwerksbetriebe, die auch die Schreiner-, Schlosser-, Putz- oder Anstreicherarbeiten übernahmen, einen entscheidenden Anteil.
Schließlich war es soweit. Zum Frühlingsanfang des Jahres 1909, am 21. März, gab es einen Festakt, zu dem verschiedene Ansprachen gehalten und Glückwünsche vermittelt wurden. Diese Festivität in der damals 3.123 Einwohner zählenden Stadt war gut vorbereitet worden und stieß auf großes Interesse. Davon zeugten auch die geschmückten Straßen. Zudem gab es Musik- und Gesangsvorträge und zur Erheiterung der Gäste auch ein Gedicht vom Heimatdichter Ludwig Sinner: „Endlich hat ein Heim gefunden unser Bürgermeisteramt. Und ein Zustand ist verschwunden, der noch aus der Vorzeit stammt. Ach, wie häufig musst' verlegen unser Amt sein Domizil! Musst' der Rat zusammenkommen zu 'ner Sitzung. Allemal hat er in Beschlag genommen unser bestes Wirtslokal."
Nur wenige Tage nach der Einweihung wurde der Bau, der als Jugendstil-Prunkstück und „Zierde der Stadt" in die Annalen einging, von der städtischen Verwaltung bezogen. 50.000 Mark sollte der Neubau kosten, so hieß es in der Veranschlagung. Als den Stadtverordneten in der Sitzung vom 4. Oktober 1909 die Schlussabrechnung vorgelegt wurde, strahlten sie. Denn es stellte sich heraus, dass die ursprüngliche Projektsumme um einige tausend Mark unterschritten war.
Das Rathaus, dessen Eingangsbereich früher von den Gärten der Häuser an der Unterstraße begrenzt wurde, bot viel Platz. Im Erdgeschoss, das man durch eine Wartehalle betrat, lagen der Sitzungssaal, die Geschäftszimmer des Bürgermeisters, der Raum des Stadtsekretärs sowie die Kanzlei. Die erste und zweite Etage diente dem Bürgermeister als Wohnung. 1928 wurde der hintere Teil des Gebäudes ausgebaut. Hier fanden die Stadt- und Sparkasse eine Bleibe.
Über dem Haupteingang prangte von Beginn an ein Wappen. Es war das historische Wappen des alten Adelsgeschlechts der Herren von Wevelinghoven, von dem die Rathaus-Besucher bis zum Anfang der 30er Jahre begrüßt wurden. Da schon zu Beginn des Jahrhunderts mehrere Versuche um die Gestaltung und Genehmigung eines neuen Wappens fehlgeschlagen waren, bemühten sich die Politiker jetzt erneut. Als sie mit dem Anliegen, dieses Wappen auch als Stadtzeichen führen zu dürfen vor dem Landeskonservatorium scheiterten, ließen sie ein neues Stadtwappen entwerfen. Details darüber sind hier in einem separaten Beitrag nachzulesen.