Das bestehende Kraftwerk Neurath, gebaut in den 70er Jahren, das die Umweltorganisation WWF zu den sieben größten CO2-Schleudern Europas zählt, soll weiter in Betrieb bleiben

Braunkohlekraftwerke in Grevenbropich
Rheinisches Revier mit Kohlendioxidrekord

Klima-Killer Nr. 4: Deutschland

Unter den G-8-Staaten rangiert Deutschland beim Treibhaus-Gas auf Platz vier. Innerhalb der EU verursachen die Deutschen sogar das meiste Kohlendioxid.
Mittlerer Pro-Kopf-Ausstoß: etwa 10,5 Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner

In keinem Bundesland wird so viel Kohlendioxid in die Luft geblasen wie in Nordrhein-Westfalen. Laut einer Studie des Freiburger Öko-Instituts ist das rheinische Braunkohlerevier mit seinen vier Kraftwerk-Standorten die größte CO2-Quelle Europas.

Eine neue Hitzewelle trifft Europa und hat die große Rasenfläche vor dem Reichtstagsgebäude in Berlin in einen staubigen, rissigen Boden verwandelt. Hitzewellen wie die im Jahr 2003 wird es bei uns voraussichtlich immer häufiger geben.



BamS-Klima-Kommissarin ermittelt

Nach einer Analyse des Öko-Instituts ist der Standort damit die größte Kohlendioxid-Quelle Europas.

Hier entsteht Deutschlands
schlimmste Dreckschleuder

Hamburg – Verheerende Orkane, Dürren, sintflutartige Regenfälle, schmelzende Polkappen und schrumpfende Gletscher gehören längst zu den täglichen Nachrichten. Der neueste Klimabericht der UN von Anfang Februar belegt ohne jeden Zweifel: Der Mensch macht das Klima kaputt! Wir müssen handeln – und zwar sofort.

Doch während jetzt alle von regenerativen Energiequellen aus Erdwärme, Wind oder Biomasse reden, investiert RWE in Neurath bei Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen) 2,2 Milliarden Euro in Dinosaurier-Technologie.

Hier entsteht das größte Braunkohle-Kraftwerk der Welt mit einer Leistung von 2100 Megawatt und einem Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) von 14 Millionen Tonnen.

Zusammen mit den bereits bestehenden Kraftwerk-Blöcken gehen dann Jahr für Jahr dort über 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre.

„Mit diesem Ausstoß wird Neurath das klimaschädlichste Kraftwerk Europas und ist die größte CO2-Dreckschleuder der Welt“, kritisiert Diplom-Ingenieur Karsten Smid, Klima-Experte von Greenpeace.

RWE-Sprecher Lothar Lambertz verteidigt die Milliarden-Investition als „technologischen Quantensprung“.
Er lobt die „Steigerung der Energieeffizienz und die Reduzierung des CO2-Ausstoßes pro Kilowattstunde Strom“.
Seine Begründung: „Wir holen rund 30 Prozent mehr Strom aus der Braunkohle als mit allen vorhandenen alten Anlagen.“
Auch wenn die neuen Kraftwerksblöcke nach ihrer Fertigstellung laut RWE den CO2-Ausstoß im gesamten rheinischen Revier um sechs Millionen Tonnen im Jahr reduzieren (alte Blöcke der Kraftwerke Niederaußem und Frimmersdorf sollen dafür abgestellt werden), wird sich unterm Strich der gesamte CO2-Ausstoß noch einmal drastisch erhöhen.

So bleibt Nordrhein-Westfalen für die nächsten 40 Jahre Schlusslicht in Sachen Klimaschutz in Europa.

Das renommierte Ökoinstitut in Freiburg hat die größten CO2-Quellen in Europa untersucht und festgestellt, dass Deutschland in puncto Dreckschleudern mit Polen ungefähr gleichauf liegt.
Allein die deutschen Kohle-Kraftwerke Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe im Lausitzer Revier stoßen im Jahr etwa über 50 Millionen Tonnen CO2 aus – die Polen liegen mit 65 Millionen Tonnen nur wenig drüber.

Für das rheinische Braunkohle-Revier findet Greenpeace-Klima-Experte Smid drastische Worte:

„Das ist ein klimapolitischer Schandfleck in Deutschland.“ Dort stehen neben der alten Anlage in Neurath drei weitere große Kraftwerke: Niederaußem, Frimmersdorf und Weisweiler.
Der jährliche CO2-Ausstoß aller Klimakiller in der Region beträgt rund 85 Millionen Tonnen Kohlendioxid.
„Wir nehmen die Klimaproblematik durchaus ernst“, versichert RWE-Sprecher Lambertz, „uns ist völlig klar, dass wir in Zukunft ohne regenerative Energien nicht auskommen. Bis 2011 investieren wir dafür rund 700 Millionen Euro. Außerdem stecken wir eine Milliarde Euro in ein CO2-freies Kraftwerk, das 2014 ans Netz gehen soll.“
Quelle: http://www.bild.t-online.de -

Neubauten von Braunkohle-Kraftwerken können wir uns klimapolitisch einfach nicht mehr leisten, sagt Karsten Smid.

RWE kann sich das klimaschädliche Verhalten nur leisten, weil die rot-grüne Bundesregierung den Stromkonzernen auf Druck von RWE bei der Einführung des Emissionshandels das Recht zugeteilt hat, kostenlos genau so viel Kohlendioxid auszustoßen wie bisher. Investoren, die zuvor kein Kohlendioxid ausgestoßen haben, müssten dagegen erst Emissionsrechte kaufen, um solch eine Kohlendioxidschleuder zu betreiben. Bei dem aktuellen Zertifikatepreis für Kohlendioxid von rund 20 Euro pro Tonne spart RWE daher 280 Millionen Euro pro Jahr.


Bericht: Greenpeace:
- RWE und die Braunkohle:„Gift für‘s Klima [138 KB]

Klimakiller einträchtig beisammen



Eine Vereinbarung, von der RWE offenbar nichts weiß

Joachim Neuser, Sprecher im Wirtschaftsministerium NRW wirbt für das neue Kraftwerk mit dem Argument, dass es mit RWE eine politische Vereinbarung gebe, "die alte Anlage in Neurath abzuschalten, sobald das neue Kraftwerk ans Netz geht". Das klingt auf Nachfrage von WDR.de bei RWE allerdings ganz anders: Eine Abschaltung des alten Kraftwerks Neurath ist dort gar nicht geplant.

Altes Kraftwerk bleibt weiter am Netz

Vorgesehen sei lediglich, in den benachbarten Kraftwerken Frimmersdorf, Weisweiler und Niederaußem die ganz alten 150 Megawatt-Blöcke aus den 60er Jahren abzuschalten. Darauf hatte sich RWE eingelassen, um die Genehmigung für den Bau der neuen Megaanlage zu bekommen. Das bestehende Kraftwerk Neurath, gebaut in den 70er Jahren, das die Umweltorganisation WWF zu den sieben größten CO2-Schleudern Europas zählt, soll dagegen weiter in Betrieb bleiben - sagt jedenfalls RWE. Davon, dass der alte CO2-Gigant Neurath im Austausch gegen das moderne Werk "dicht gemacht wird", wie es Bundesumweltminister Gabriel noch in der ARD-Sendung Monitor am 4. Januar 2007 gesagt hatte, kann also keine Rede sein.

Kohlekraftwerk Neurath. Dieses Braunkohlekraftwerk der RWE erreicht mit seinen fünf Kraftwerksblöcken eine elektrische Leistung von insgesamt 2219 Megawatt...

Umwelt: Klimawandel schreitet schneller voran als befürchtet

© ZEIT online, Tagesspiegel | 09.10.2008 14:08

Erderwärmung und Klimawandel schreiten nach neuen Berechnungen von Wissenschaftlern viel schneller voran als bisher befürchtet. Noch allerdings sei eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad möglich glauben die Forscher.

Der Klimawandel könnte sich noch dramatischer auswirken als bislang befürchtet. In diesem Jahrhundert müsse mit einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter gerechnet werden, sagte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber.

Eine Beschränkung der Globalerwärmung auf 2,0 Grad lasse sich "gerade noch" erreichen, wenn das in diesem Jahr vereinbarte G8-Szenario umgesetzt werde, die Treibhausgasse bis 2050 zu halbieren und bis zum Ende des Jahrhunderts vollständig aus der CO2-Produktion auszusteigen. Dazu dürfe aber "nichts mehr schief gehen", fügte Schellnhuber hinzu und warnte eindringlich vor einer "Pause" beim Klimaschutz. Jedes Zögern würde bedeuten, "dass die fundamentalen Klimaschutzziele nicht mehr erreicht werden können". Die jetzigen Erkenntnisse gingen über die Szenarien des jüngsten Weltklimaberichts hinaus, der im vergangenen Jahr einen Meeresspiegelanstieg von 18 bis 59 Zentimetern bis zum Ende dieses Jahrhunderts prognostiziert hatte.

Eine neue Hitzewelle trifft Europa und hat die große Rasenfläche vor dem Reichtstagsgebäude in Berlin in einen staubigen, rissigen Boden verwandelt. Hitzewellen wie die im Jahr 2003 wird es bei uns voraussichtlich immer häufiger geben.



Das von RWE geplante Braunkohle-Kraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA) soll zwar mit 43 Prozent einen höheren Wirkungsgrad aufweisen als die alten Braunkohle-Blöcke. Doch auch das neue Kraftwerk würde noch 14 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid pro Jahr ausstoßen. Die zukünftigen Klimaschutzziele der Bundesregierung wären nicht einzuhalten. Denn solche Kraftwerke laufen etwa 40 Jahre. Neubauten von Braunkohle-Kraftwerken können wir uns klimapolitisch einfach nicht mehr leisten, sagt Karsten Smid.

RWE kann sich das klimaschädliche Verhalten nur leisten, weil die rot-grüne Bundesregierung den Stromkonzernen auf Druck von RWE bei der Einführung des Emissionshandels das Recht zugeteilt hat, kostenlos genau so viel Kohlendioxid auszustoßen wie bisher. Investoren, die zuvor kein Kohlendioxid ausgestoßen haben, müssten dagegen erst Emissionsrechte kaufen, um solch eine Kohlendioxidschleuder zu betreiben. Bei dem aktuellen Zertifikatepreis für Kohlendioxid von rund 20 Euro pro Tonne spart RWE daher 280 Millionen Euro pro Jahr.

Grönland schmilzt

Braunkohlekraftwerke sind wie Dinosaurier, kritisiert Smid. Sie sind schwerfällig und können nur langsam rauf und runter gefahren werden. In Zukunft sind jedoch leicht regulierbare Kraftwerke nötig, die sich an wetterabhängige Energie-Schwankungen aus Wind-, Wasser- und Solarkraftwerken anpassen können. Braunkohle ist daher doppelt klimaschädlich: Sie begrenzt den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Und sie stößt bei der Verbrennung mehr Kohlendioxid aus als alle anderen Energieträger. RWE sollte jetzt klimafreundlichen Techniken den Vorrang geben, anstatt die Region zu Europas größter CO2-Quelle zu machen, erklärt Smid.

Zudem schafft ein neues Braunkohle-Kraftwerk nur kurzfristig während der Bauphase Arbeit. Wenn das Kraftwerk etwa 2010 ans Netz geht, will RWE dort weniger Menschen beschäftigen als in den still zu legenden Altanlagen. Unter dem Strich baut RWE daher Arbeitsplätze ab. Erneuerbare Energien würden dagegen ein Vielfaches an langfristigen Arbeitsplätzen schaffen.