Grevenbroichs Umweltbeauftragter Norbert Wolf begutachtet die Gespinstmotten an einer Traubenkirsche im Bend. Der Baum ist fast kahl, die kleinen Raupen haben die Blätter fast vollständig gefressen. NGZ-Foto: M. Reuter

Die Traubenkirschen im Stadtgebiet sind wieder von tausenden Gespinstmotten befallen. Die kleinen Raupen fressen die Bäume kahl und spinnen klebrige Netze als Schutzraum. Für Spaziergänger besteht aber keine Gefahr.

Viele tausend kleine Raupen machen sich zurzeit über die Traubenkirschen im Bend her. Die Bäume sind fast kahl, nur noch wenige grüne Blätter hängen an den Ästen. Aber auch die sind von den vielen kleinen, nicht sehr ansehnlichen Tierchen befallen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann sind die Bäume komplett nackt. Wer sind diese kleinen, silbrig-schimmernden Raupen, die Jagd auf die Traubenkirsche machen? Antwort: Es sind alte Bekannte – die Gespinstmotten. "Die Raupen dieser Schmetterlinge treten in jedem Frühjahr auf und befallen in riesiger Anzahl die Traubenkirschen", erklärt Grevenbroichs Umweltbeauftragter Norbert Wolf.

Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier an den Knospen ab, unter deren Schuppen die Larven überwintern. Im Frühjahr wird der Nachwuchs dann immer aktiv. "Die Raupen fressen sämtliche Blätter weg", sagt Wolf. "Dann verpuppen sie sich in einem selbst gesponnenem Netz." Neben den Ästen und Baumstämmen werden auch andere Flächen mit dem weißen, klebrigen Netz umsponnen. Im Bend sind viele Tierchen von den Ästen auf das Geländer eines angrenzenden Tiergeheges gefallen. Auch dort werden die Netze gewoben. Das Gespinst dient den Raupen als Schutzraum bei ihrer Verpuppung. "Die Tiere spinnen sich so ihren eigenen Schutzbunker", sagt Wolf.

Raupen sind ungefährlich

Eine Gefahr für Spaziergänger geht von den Gespinstmotten übrigens nicht aus. Anders als der giftige Eichenprozessionsspinner, den es in Grevenbroich nicht gibt, ist diese Raupe harmlos. Auch die Bäume sind durch den Befall nicht bedroht. "So etwas ist zwar für die Traubenkirsche nicht gerade förderlich, der Baum wird aber keinesfalls absterben", sagt Wolf.

Im Juni ist der Spuk erstmal wieder vorbei. Dann sind aus den kleinen Raupen Schmetterlinge geworden. Zum Johannistag am 24. Juni treiben dann an den Traubenkirschen neue Blattknospen aus. "Der Baum wird zum Sommer hin wieder vollkommen grün", erzählt Wolf. Die äußerst stabilen "Netze" der Gespinstmotten bleiben aber an Ästen und Stämmen kleben – teilweise sogar ein Jahr lang. "Wir haben eine Traubenkirsche, an der musste ich Anfang März noch die letzten Netze aus dem Vorjahr entfernen", berichtet der Umweltbeauftragte. Teile der alten gespenstigen Netze kleben im Bend immer noch am Stamm der Traubenkirschen. Meist werden die Gespinste aber durch das Dickenwachstum der Bäume gesprengt, fallen zu Boden und vergehen dort.

Warum sich die Raupen gerade auf die Traubenkirsche spezialisieren, kann Wolf nur vermuten: "Wahrscheinlich hat die Traubenkirsche Inhaltsstoffe, die gut verwertbar sind und den Tierchen besonders gut schmecken."

Die Gespinstmotte

Die Gespinstmotte ist ein Schmetterling aus der Familie der Gespinst- und Knospenmotten. Die Falter haben eine Flügelspannweite von 16 bis 25 Millimetern. Die Vorderflügel sind silbrig weiß und weisen fünf Längsreihen von schwarzen Punkten auf. Die Larven ernähren sich fast nur von der Traubenkirsche, selten findet man sie auch an Kirsche und Faulbaum.



Quelle: NGZ