Der Widerstand gegen den Straßenbau zwischen Kapellen und Wevelinghoven formiert sich. Die Gegner gehen auf die Barrikaden. Sie wollen das Naherholungsgebiet Erftaue schützen – notfalls auf dem Klageweg.
Die Landstraße 361 führt von Bedburg nach Korschenbroich. In Grevenbroich wird sie unterbrochen, zwischen Wevelinghoven und Kapellen klafft seit 1989 eine Lücke. Sie soll durch eine Trasse geschlossen werden, die sich 3,5 Kilometer lang durch die Erftaue zieht.
Nach langem Ringen von Stadt und Politik steht das Projekt nun ganz oben auf der Prioritätenliste des Landes. In diesem Jahr soll die Trasse endgültig vorgestellt werden, Mitte 2011 beginnt das Planfeststellungsverfahren.
Fackelzug geplant
Im Vorfeld formiert sich flammender Widerstand gegen das Vorhaben. Für Freitag, 29. Januar, ist ein Fackelzug entlang der neuen Trasse geplant – als sichtbares Zeichen, wo die Straße verlaufen soll. Urheber: ein neues Aktionsbündnis. Dazu gehört neben dem Verein "Rettet die Erftaue" die Grevenbroicher Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND).
"Wir verstehen uns als großer Pool über alle politischen Grenzen hinweg, den ein einziges Ziel verbindet: die Erftaue als Naherholungsgebiet und als Biotop zu erhalten", sagt Henning Walther, Chef des Grevenbroicher Umweltverbandes.
Wenn das Planfeststellungsverfahren beginnt, haben die Bürger eine Chance, ihre Bedenken und Anregungen vorzubringen. Der städtische Planungsdezernent Werner Hoffmann geht davon aus, dass die Zustimmung für die Trasse überwiegen wird. "Wir wissen, dass gut 2000 Menschen für und etwa 500 gegen diese Straße sind", meint er.
Aus Sicht der Stadt Grevenbroich ist der Lückenschluss notwendig: "Er wird Wevelinghoven und Kapellen eine große Entlastung bringen." Hoffmann rechnet mit täglich 8300 bis 11.400 Fahrzeugen auf der neuen Umgehungsstraße. Das entspreche in etwa dem Verkehr, der heute schon durch die beiden Orte rollt. "Die quälen sich durchs Wohngebiet, das stört viele Anlieger."
Die Gegner allerdings nicht: "Ich halte es für realistisch, dass wir den Bau stoppen können", sagt Henning Walther. Und: "Wenn das Verfahren eröffnet wird, dann könnte ich mir auch den Klageweg vorstellen." Denn Bedenken haben die Naturschützer viele: "Mit der neuen Straßenführung wird das wertvollste ökologische Gebiet zerstört, das wir in Grevenbroich überhaupt haben", meint Walther. Nur dort lebten schützenswerte Tier- und Pflanzenarten. Ein Beispiel: der Kamm-Molch, der auf der "Roten Liste" der bedrohten Arten steht.
Ruhe finden
Die Landschaft biete zudem eine abwechslungsreiche Struktur: Manche Vogelarten könnten im Gebüsch ihr Nest bauen und auf den Äckern Futter finden. Außerdem nutzten viele Menschen als Spaziergänger oder Radfahrer das Gebiet. "Hier findet man noch Ruhe", so der BUND-Aktive.
Quelle: NGZ, WILJO PIEL UND DANIELA BUSCHKAMP -
